Familie Strassburger

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Familie Strassburger
GDR/US 1986

Das Videoprojekt wurde durch das Internationale Pressezentrum in Berlin koordiniert, Betreuer war ein gewisser Hannes, ebenfalls Mitglied der „Firma“. Das erste Interview, das Bill Meyers mit der Familie Strassburger  aus Dresden machen konnte, war dementsprechend sorgfältig choreographiert. Eine Musterfamilie der DDR erklärt den Amerikanern, warum das Leben in der DDR so gut ist – drei Jahre vor dem Mauerfall. Dennoch werden auch in diesem Interview Brüche deutlich, der Junge trägt ein keineswegs ideologiekonformes Mickey-Mouse T-Shirt – eine Hommage an den Gast? – und besonders in den Antworten der Frau Strassburger, einer Lehrerin, spürt man deutlich, dass sie weiß, dass der hier als Kameramann agierende Hannes von der Stasi ist.

„Zurück in Berlin sagte ich meinem Begleiter Hannes, dass ich gleich nach Hause fliegen könnte, sollten wir weiterhin nur solche Interviews bekommen. Wir müssten auch spontane Interviews machen, nicht nur vermittelte. Ich gab ihm eine halbe Stunde, eine Entscheidung zu treffen. Als ich aus der Foyerbar zurückkam, sagte er Ok, was mich ziemlich überraschte.“(2)

In der Folge konnte Bill Meyers tatsächlich ziemlich ungestört arbeiten. Hannes hatte eine Geliebte und nutzte oft die Dreharbeiten, um unbeobachtet seinen Stelldicheins nachzugehen – bis die Sache aufflog, was auch das Ende von Bill Meyers Videoprojekt war. Noch erstaunlicher aber war die Tatsache, dass das gedrehte Material nicht zensiert wurde, ja nicht mal geprüft, offensichtlich vertraute man zu Unrecht der Hannesschen Wachsamkeit. In den zwei Jahren ihrer Zusammenarbeit filmte und interviewte Bill Meyers alle möglichen Seiten des DDR-Alltags: Familien, Passanten, Offizielle, Intellektuelle, er filmte in Zoos, Museen, Sportvereinen und Gedenkstätten. Da er ohne Team arbeitete und selbst keine Filmausbildung hatte, sind die Ergebnisse sehr direkt, keine ästhetischen Überlegungen stehen zwischen ihm und den Gefilmten. Insgesamt entstand so ein kleines Archiv der DDR-Alltagskultur, zig Stunden Material, alle ungeschnitten.

William Meyers, DDR/US 1986, 20 Min.

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