Erinnern an Schlegel: ein visuelles Hindi-Deutsches Wörterbuch

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Erinnern an Schlegel: ein visuelles Hindi-Deutsches Wörterbuch
DE 2006
Erinnern an Schlegel: ein visuelles Hindi-Deutsches Wörterbuch
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Interview von Sabrina Ahmad

Sie haben diesen Januar in Neu Delhi verbracht, wo Sie Künstler gebeten haben, bestimmte Wörter darzustellen. Was sind das für Wörter, die in Ihrer Videoinstallation dargestellt werden?

Das Projekt begann als eine Art Wiederbelebung von Friedrich Schlegels Interesse am Sanskrit. Ich wollte an die idealistische Annäherung an und Forschung über das Sanskrit erinnern durch ein, ein bißchen absurdes, zeitgenössisches Wörterbuch, aus deutschen und indischen Wörtern gleichen Ursprungs.

Wieso gerade Schlegel?

Er war derjenige, der die Sanskritstudien etabliert hat. Er erhoffte sich dadurch, einen Weg zu finden, um den Ursprung von Sprache, Religion und Spiritualität zu ergründen. Die Faszination der Deutschen für das spirituelle Indien hat hier angefangen.

Wie haben Sie das Wörterbuch zusammengestellt?

Das hat sich als weitaus schwieriger herausgestellt, als ich vermutet hatte. Ich war davon überzeugt, dass es einfach wäre, eine Liste mit verwandten Wörtern zu finden, die ein Sprachwissenschaftler bereits recherchiert hat. Aber zu meiner Überraschung konnte ich keine solche Liste finden. Ich habe einige Zeit in der Staatsbibliothek in Berlin und in der Bibliothek der Jawaharlal Nehru Universität (JNU) verbracht und etymologische Werke durchforstet, vor allem Mayrhofers „Kurzgefaßtes etymologisches Wörterbuch des Altindischen“. Prof. Mishra, vom Zentrum für Sanskrit Studien an der JNU, hat mir viel geholfen. Meine Liste ist recht kurz, es gibt selbstverständlich viel mehr Wörter. Dennoch ist die Liste lang genug, um exemplarisch zu sein.

Was war anders, als Sie angefangen haben die Wörter zu sammeln?

Ich hatte plötzlich eine Ansammlung von Wörtern. Das zeichnet zwar ein Wörterbuch aus, macht aber noch keine Sprache. Ich merkte, daß ich mich viel mehr mit Sprache an sich beschäftigen mußte.

Warum haben Sie nur lautlos darstellende Künstler gefragt? Ist das nicht paradox, wenn Sie sich für Sprache interessieren?

Die Wörter und ihr Klang sind verwandt. Die gleiche Art von Wortinhalt hat eine ähnliche Repräsentation im Klang in diesen Kulturen. Mich hat der Inhalt dieser gemeinsamen Wörter interessiert. Ich dachte, dass er stärker zum Vorschein kommt, wenn man den Ton bei der Repräsentation weglässt. Außerdem fasziniert mich die Tradition des Abhinaya (Pantomime), des klassischen indischen Tanzes, sowie auch die Gesten und die Wichtigkeit des Geschichtenerzählens ganz allgemein. Nachdem ich diesen Weg eingeschlagen hatte, fand ich es interessant, zu untersuchen, wie die Gebärdensprache Wörter ausdrückt, vor allem weil sich dies von Sprache zu Sprache unterscheidet.

Wie haben die Menschen reagiert, als Sie sie gebeten haben, Wörter darzustellen?

Die Reaktionen waren immer unterschiedlich, und genau das fand ich besonders spannend. Alle hatten Probleme damit, einzelne Wörter und nicht eine Geschichte darzustellen. Alle, außer Sadanam Balakrishnan, dessen Kathakali Tradition ihm ein reiches und präzises Vokabular an Gesten bietet, und Salil Subedi, der das Talent für einen Komiker in sich entdeckte, als er die Wörter einzeln darzustellen begann. Wie unterschiedlich mit diesem Problem umgegangen worden ist, kann man im Video sehr gut erkennen. Zum Beispiel hat Maya Krishna Rao die ganze Liste der Wörter genommen und daraus eine Geschichte gemacht. So stellt sie eine Zeit lang antast - innerst und anter - inter, als zwei ähnlich klingende Begriffe mit entgegengesetzten Bedeutungen zu Identität, abwechselnd dar. Jola Cynkutis und Khalid Tyabji haben sich langsam, körperlich in die Wörter eingefühlt. Madhuri Mudgal hat einfach einige der Wörter von der Liste gestrichen, weil sie für sie keinen Sinn ergaben oder es unmöglich war, sie darzustellen und die, die sie akzeptiert hat, hat sie sehr schön und intensiv sichtbar gemacht. Für Sara und Arshad war es ungewohnt, Wörter außerhalb eines Kontextes zu verwenden. Ihr Gebrauch von Sprache ist es, Zusammenhänge herzustellen und sich mitzuteilen. Sogar Sadanam Balakrishnan sagte, daß es, obwohl es möglich war, alle anderen Worte darzustellen, interessanterweise unmöglich war, kansna (Husten) in Kathakali umzusetzen.

Haben diese Reaktionen Ihr Projekt in irgendeiner Art und Weise verändert?

Sehr sogar. Anfangs habe ich mir vorgestellt, dass es ein einziges Video wird, mit allen Wörtern, die vielleicht gleichzeitig von mehreren gezeigt werden. Dabei habe ich festgestellt, was für eine persönliche Angelegenheit Sprache ist, und daß ich verschiedene Ausdrucksmöglichkeiten desselben Wortes parallel zeigen müsste. Diese Veränderungen wurden durch die Kommentare und Anregungen der Darsteller stark beeinflußt. Dies war auch der Grund, warum es immer interessanter wurde, mit den Künstlern, die von sehr klar definierten Darstellungstraditionen her kommen, zusammenzuarbeiten. Der Ausdruck der Performance wurde zur Sprache. Es war wunderschön, den Performances und Interpretationen der Wörter zuzugucken.

In Ihrem Projektvorschlag haben Sie geschrieben: „Ich möchte das Objekt von Schlegels Forschung mit mir tragen, und es als Beobachtungsinstrument nutzen. Die indogermanischen Sprachen kommen, wie wir heute wissen, aus einer gemeinsamen Wurzel des Altpersischen. Die Verwandtschaft, die Schlegel feststellte, besteht, und ich möchte sie als ein Netz auswerfen, in dem sich Beobachtungen fangen.“ Was denken Sie jetzt über die Wahrnehmung von Sprache und über Schlegels Ansatz?

Ich bin ihm dankbar, dass er mich auf diesen Weg gebracht hat. Auf einen Weg, auf dem die Wörter plötzlich unwichtig wurden, und die Intensität der Person, die die Wörter zeigte, in den Vordergrund trat. In den Videos geht es um Ausdruck und Persönlichkeit, welche die Sprache bestimmen. Das Wörterbuch, das wesentlich warum sich der Sprache anzunähern, liegt jetzt als narrative Struktur der Arbeit zu Grunde.

DE 2006, Video Installation

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