PROPERTY OF THE PEOPLE OF HALLE

PROPERTY OF THE PEOPLE OF HALLE
Museum für Haustierkunde "Julius Kühn" Ferkel aus der Kreuzung Wildschwein mit Hausschwein (Bündener) Aquarell von Karl Wagner (1894)

Sammlungen und Archive einer Stadt sind Teile des kollektiven Gedächtnisses und Selbstbildnis. Sie spiegeln dabei oft weniger konkrete Historie oder Wissenschaft, als die Verfasstheit der Gesellschaft, in der sie entstanden sind. In einer Stadt wie Halle, die durch die Jahrhunderte und besonders im letzten an mehreren solcher kollektiven, gesellschaftlichen Verfasstheiten beteiligt war, sollte sich dies an ihren Bilder- und Materialiensammlungen ablesen lassen. Das ist der Grundgedanke dieser Zusammensicht über die Museen und Bibliotheken in Halle.

Common Property of the People, nun weil, und das soll damit gesagt werden, diese Sammlungen, auf verschiedenste Art und Weise, und sei das, wie im Fall des Beatles Museum, durch das zur Verfügung stellen eines Hauses, von der kommunalen Öffentlichkeit und dadurch auch materiell von allen getragen werden. Zugleich wird von Seiten der Stadt versucht, mit Hilfe des musealen Potentials den Standort Halle als Kulturstadt zu festigen. Auf einige dieser Sammlungen wird dabei mehr, auf andere weniger hingewiesen. Manche Sammlungen sind kaum mehr öffentlich zugänglich, wie die Marienbibliothek oder das Robertinum, andere planen einen Neu- oder Ausbau, wieder andere, wie das Museum der revolutionären Arbeiterschaft oder das Traditionskabinett im Volkspark, wurden längst geschlossen und aufgelöst.

Ist die Behauptung, es handle sich bei diesen Sammlungen um etwas, das allen gehört, zynisch? Eher verweist sie auf die Stellung, die wissenschaftliche Arbeit in Bezug auf das sogenannte „intellectual common property“ hat. Der größte Teil der Produktion dieses Geistigen Eigentums wird von allen finanziert und mitgetragen, sei es durch den Unterhalt von Universitäten und ihrer Insassen, sei es durch die F+E-Ausgaben, Forschung und Entwicklungsbudgets, die als staatliche Förderungen direkt an Firmen vergeben werden. Kommt das als gesellschaftlicher Fortschritt zurück? Sicherlich nicht durch hochfinanzierte Kommissionen, die alternde Manager unterstützen, damit diese ihre betriebswirtschaftlichen Konzepte auf den Staat ausdehnen.

Zusätzlich aber wird diese Forschung, wenn sie produkthaft wird, z. B. in Form eines Buchs oder eines Industriepatentes, eigentümlicherweise von fast allen nur mehr in ihrer Warenförmigkeit und nicht mehr in ihrer Prozesshaftigkeit erkannt. So erscheinen auch die Museen als Anhäufung materieller Güter und nicht als Ergebnisse eines gesellschaftlichen Sammelns und Aufbewahrens.

Sind diese Sammlungen das, was wir alle haben wollen, das heisst, sind sie das Schaffen von Zeichen, die allen gehören, wie das von der Situationistischen Internationale mal als revolutionäres Ziel ausgedrückt wurde?

Der Hinweis in diesem Ausstellungsteil liegt vielleicht auch in der Museen inhärenten, gesellschaftlichen Eigenschaft, durch das absichtliche etwas von sich zu Entfernen, sich selbst sentimental zu amnestieren. Und so erscheint die Geschichte, als wäre man ihr in ihrer Objekthaftigkeit nur ausgeliefert und nicht, als hätte man sie selbst gemacht.

Die einzelnen Sammlungen stellen sich in dieser Zusammenschau selbst dar und dieser Ausstellungsteil ist vor allem der großen Bereitschaft der Beteiligten in den Museen zu verdanken, denen wir hier auch herzlich danken wollen. A. M.

 

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