Animal Cinema

Root Event

Werkleitz Festival 2011 ZOO
Film Programme
Animal Cinema
14. 10. to 16. 10. 2011
© Bernhard und Michael, Tiere ohne Furcht und Tadel, 1953
© Bernhard und Michael Grzimek/ Okapia, 1953 

The film programme for Animal Cinema is an experiment. For the first time, a biologist and a curator have collaborated to create a film programme in which artistic and scientific perspectives on animals are given equal weight. The resulting short history of the animal film is also an animalistic history of film. The very first film stars were not humans but animals, such as the galloping horse in the famous photographic series by Eadweard Muybridge or the animals in Étienne-Jules Mareys motion studies, which are among the very earliest films (e. g. his Fish from 1891). There is also at least one film that was itself authored by an animal; Oedipe, by the monkey Capucine. Nieto’s documentary of the same name on the making of this film-historical sensational is part of the programme.

The programmers have excavated numerous weird, beautiful and sometimes shocking finds from various archives. There’s Kaiser Wilhelm in Hagenbeck’s zoo as well as Seine Hoheit auf Fasanenjagd (Bilder vom Hof des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin) [His Royal Highness Hunting Pheasant (Pictures from the residence of the Grand-Duke of Mecklenburg-Schwerin)].

The tragic Hinrichtung des wildgewordenen Riesenelefanten Arno [The Slaughter of the Rogue Elephant Arno] and the Soviet Theater der Tiere [Animal Theatre] have been restored especially for the programme. In the latter, the methods of animal taming can be seen in clear analogy to the conditioning of humans in Stalinism. Colonial hunting films (Im Negerdorf - Jagd der Flusspferde [In the Negro Village – Hippopotamus Hunt]) are juxtaposed to scientific films on the hunting rituals of indigenous peoples (Jagd mit Pfeil und Bogen auf Beutelmäuse [Hunting Marsupial Mice with bow and arrow] und Shooting the Animal). A highlight of the programme is the rediscovery of the films of Heinz Meinhardt, the first scientist in the GDR and one of the first in the world to study animal behaviour. In contrast to his colleague Dian Fossey, whose gorilla studies became famous throughout the scientific world, he modestly became a mere “honourary wild boar”.

Animals are also an important subject for artistic filmmakers. One of the most famous being William Wegman, who made hundreds of films and photos of his Weimaraner ‘Man Ray’. His short sketches make palpable the respectful way the two interact with each other. In Monkey Performance, Joanna Rytel dances for her monkeys, thus turning the tables on the voyeuristic gaze implicit in the usual practice of having animals perform for humans. Not the animal itself but rather the animal-film is the theme of Christoph Keller’s Encyclopaedia Cinematographica, a cinema-installation that will run before each programme.

Animal Cinema aims at awakening consciousness to the way humans see animals. What do people see when they look at animals? What are the consequences of this way of seeing, especially for the animals themselves? Can animal films restore dignity to animals? The focus is on ‘real’ animal films, where real animals have been filmed. The beloved anthropomorphisms of animation films, in which animals appear as symbols for the human, have been deliberately excluded.

Among the guests who have kindly agreed to take part in discussion are Dr. Johannes Grossman, primatologist from the Max-Planck-Institut, Dr. Frank D. Steinheimer, Project director of the Naturkundlichen Universitätsmuseum Halle (Saale) [Natural History Museum of the University of Halle], the shepherd Christian Winz, as well as the actor and author Hanns Zischler.

Das Filmprogramm Kino der Tiere ist ein Experiment. Zum ersten Mal haben ein Biologe und ein Kurator gemeinsam ein Filmprogramm erarbeitet. Der wissenschaftliche und der künstlerische Blick auf das Tier werden gleichberechtigt behandelt. Die dabei entstandene kurze Geschichte des Tierfilms ist auch eine tierische Geschichte des Films. So waren die allerersten ‘Stars’ des Films nicht Menschen, sondern Tiere, wie zum Beispiel das galoppierende Pferd der berühmten Serienfotografien Eadweard Muybridges oder die Bewegungsstudien Étienne-Jules Mareys, die zu den ersten Filmen überhaupt gehören (etwa seine Fische von 1891). Es gibt aber auch zumindest schon einen Film, der von einem Tier gedreht wurde, Oedipe des Äffchens Capucine (gezeigt wird der gleichnamige Dokumentarfilm Nietos über die Entstehung dieser filmhistorischen Sensation). 

Aus diversen Archiven haben die Kuratoren des Programms viele seltsame wie schöne, manchmal auch erschreckende Fundstücke ausgegraben. So sieht man Kaiser Wilhelm im Tierpark Hagenbeck und Seine Hoheit auf Fasanenjagd (Bilder vom Hof des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin). Speziell für das Programm restauriert wurden die tragische Hinrichtung des wildgewordenen Riesenelefanten Arno sowie das sowjetische Theater der Tiere, in dem die Dressur der Tiere deutliche Rückschlüsse auf die Dressur der Menschen im Stalinismus ziehen lässt. Koloniale Jagdfilme (Im Negerdorf - Jagd der Flusspferde) werden mit wissenschaftlichen Filmen über die Jagdrituale indigener Völker kontrastiert (Jagd mit Pfeil und Bogen auf Beutelmäuse und Shooting the Animal). Ein Highlight des Programm ist die Wiederentdeckung der Filme Heinz Meinhardts, der als erster in der DDR und als einer der ersten weltweit experimentelle Verhaltensforschung betrieben hat. Im Gegensatz zu seiner berühmten Kollegin Dian Fossey und ihren Gorillas, wurde Heinz Meinhardt ganz bodenständig zum Wildschwein ehrenhalber

Tiere sind aber auch ein wichtiges Motiv für künstlerische Filmer. Einer der berühmtesten unter ihnen ist William Wegman, der mit seinem Weimaraner Man Ray hunderte von Filmen und Fotos gemacht hat. In seinen kurzen Sketchen spürt man den respektvollen Umgang, den die beiden miteinander pflegen. Joanna Rytel dagegen dreht den voyeuristischen Blick um: während sonst die Tiere für den Menschen auftreten, tanzt die Künstlerin in ihre Monkey Performance für Affen. Nicht das Tier selbst, sondern der Tierfilm ist wiederum das Thema der Installation Encyclopaedia Cinematographica von Christoph Keller, die als Kino-Installation vor jedem Programm laufen wird. 

Das Ziel des Programms Kino der Tiere ist es, sich dem Blick des Menschen auf das Tier bewusst zu werden. Was sieht der Mensch, wenn er das Tier anblickt? Und welche Konsequenzen hat dieser Blick, vor allem für das Tier? Kann der Tierfilm dem Tier seine Würde zurückgeben? So konzentriert sich das Programm auf den ‘echten’ Tierfilm, das heisst in jedem Film taucht auch ein Tier auf. Die im Zeichentrickfilm so beliebten Anthropomorphisierungen in denen Tiere eigentlich nur als Symbole für den Menschen auftauchen, bleiben bewusst außen vor.

Als Gesprächsgäste für das Programm haben unter anderem zugesagt: Der Primatologe des Max-Planck-Instituts Dr. Johannes Grossman, der Projektleiter des Naturkundlichen Universitätsmuseums Halle (Saale) Dr. Frank D. Steinheimer, der Schäfer Christian Winz sowie der Schauspieler und Autor Hanns Zischler. 

Das Programm Kino der Tiere wurde von dem Biologen, Philosophen und Autor Cord Riechelmann sowie dem Kurator und Filmemacher Marcel Schwierin in einer Kooperation des Werkleitz Festivals mit den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen entwickelt.

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