Ein Gefühl von sich selbst

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Ein Gefühl von sich selbst
19. 10. 2013
23. 10. 2013

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In der Geschichte der Bundesrepublik gab es immer wieder Social-Marketing-Kampagnen, die Lobbyinteressen mit Appellen an den Gemeinsinn verbanden. Als prototypisch hierfür mögen die Aktivitäten des informellen Kreises von Unternehmern gelten, der sich von 1952 bis 1965 unter dem Namen „DIE WAAGE. Gemeinschaft zur Förderung des sozialen Ausgleichs e. V.“ zusammenfand und für die soziale Marktwirtschaft eintrat. Der letzte Werbefilm der WAAGE von 1959 und einer der ersten Zeichentrickproduktionen von Loriot, Mit beiden Füßen auf der Erde, steht am Anfang von Ein Gefühl von sich selbst. Das Programm befragt das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, Freiheit und Optimierung im Kapitalismus. „Was ist der Unterschied zwischen Werben und Bekanntmachen?“, „Haben Sie einen Beruf, der Sie wirklich ausfüllt?“, „Warum nähen wir unsere Kleider nicht selbst?“ – solche Fragen stellt Hellmuth Costards fast einstündiger Film Teilweise von mir – Ein Volksstück (1973). Hunderte von Passanten sprechen je einen Gedanken, Satz oder Slogan. So entsteht ein kollektiver Monolog, ein „Volkstück“ im wahren Sinne, dessen kritische Betrachtung der westlichen Lebens- und Arbeitswelt zu Anfang der 1970er Jahre nichts an Aktualität verloren hat. Jürgen Brüggers und Jörg Haaßengiers Kopfende Haßloch (2006) dokumentiert eine Gemeinde in Rheinland-Pfalz, die so normal und durchschnittlich ist, dass sie als Testgebiet für neue Produkte und deren Marketing ausgewählt wurde. Alle Supermarkteinkäufe der Bewohner werden registriert, in die Fernsehprogramme unmerklich Sonderanzeigen eingespeist. „Man spricht von der kontrollierten Realität“, heißt es an einer Stelle im Film.

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