Dreckfresser

Root Event

5. Werkleitz Biennale 2002 Zugewinngemeinschaft
Dreckfresser
DE 2000

„Ein Sachse“ – unter dieser Überschrift warb ein Foto des Polizisten Sam Meffire 1992 für das Bundesland Sachsen. Nach vielen rassistischen Überfällen, nach Hoyerswerda sollte dieses Bild in den frühen 90er Jahren als Symbol für die Offenheit und Toleranz des Bundeslandes herhalten. „Dreckfresser“ rekonstruiert die Biografie des Afrodeutschen Sam Meffire. Interviews mit ihm selbst, mit seiner Mutter, mit ehemaligen Arbeitskollegen oder Journalisten setzen seine Geschichte nach und nach aus den Perspektiven, den Erzählungen und Erzählweisen der unterschiedlichen GesprächspartnerInnen zusammen. Im Bild ist für kurze Zeit auch die Filmemacherin, deren Fragen
den Gang der Rekonstruktion prägen. Sam Meffires Familiengeschichte in der DDR begann mit einer extremen Erfahrung von Rassismus:
Während die Mutter im Krankenhaus auf die Geburt ihres Sohnes wartete, wurde der Vater ermordet, der Leichnam über Nacht außer Landes
geschafft. Ein zweiter Strang, den der Film verfolgt, ist Meffires Handeln als erwachsene Person im Übergang der DDR zum Kapitalismus westdeutscher Prägung. Die sächsische Plakataktion behauptete zwar Unterschiedslosigkeit, markierte aber gerade die Differenz Sam Meffires zu anderen Sachsen und machte ihn so bekannt: Er gab Interviews, nahm an Talkshows im Fernsehen teil und begann eine seltsam aufgeladene Freundschaft mit dem damaligen Innenminister Heinz Eggert. Als sich Meffire 1994 mit einem Sicherheitsunternehmen
selbständig machte, setzte er bei der Ausführung seiner Aufträge mehr und mehr Gewalt ein. Der Film gibt Hinweise, bietet aber keine abschließende Erklärung dafür, was die Motivation oder die Entstehungsgeschichte dieser gewalttätigen Unternehmenspraktiken sein könnten. Das Interview mit Sam Meffire fand in einem sächsischen Gefängnis statt, in dem er zehn Jahre Haft wegen bewaffneten Raubüberfalls und Erpressung absitzt.

Branwen Okpako (DE), 2000, 75 min. (OF mit engl. UT).

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