Das Erbe

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Filmprogramm
Das Erbe
15. 10. 2011

Der deutsche Kulturfilm entstand aus dem Propagandafilm des Ersten Weltkrieges. Schon 1913 wurde von Franz Bergmann und Willi Warstat eine Konzeption gegen den „geschmacklosen, kriminellen und erotisch-sexuellen Schundfilm“ – gemeint waren Spielfilme aller Art, besonders aus dem Ausland – und für einen positiven, nationalen Film entwickelt: „Die Natur und das Leben fremder und ferner Länder stellt uns der Film mit ebenso großer Naturtreue vor Augen wie das Treiben in unseren großen Fabriken, in denen unser Volk in stillem, aber hartnäckigen Kampfe um seine Stellung auf dem Weltmarkte ringt. Das Leben im Tropfen Wasser läßt der Film ebenso lebendig vor unseren Augen entstehen.“ Mit einem solchen Film könne das „Kino zu einem reich sprudelnden Quell edelster Volksbildung“ werden. Tatsächlich ist der Kulturfilm – wie auch der Heimatfilm – eine deutsche Besonderheit, die die Genres Propaganda-, Werbe-, Unterrichts- und Wissenschaftsfilm auf eine oft ideologisch gefärbte Weise miteinander vermischt. Der Hirschkäfer des bedeutenden, aber inzwischen weitgehend vergessenen Tierfilmers Ulrich K. T. Schulz gilt als einer der ersten deutschen Kulturfilme überhaupt. Das Interesse des Films für den „größten deutschen Käfer“ steht noch ganz unter dem Eindruck des Ersten Weltkrieges: „Sie naschen von dem Blute der quellenden Eichen / Aber auch diesem kurzen Dasein bleibt der Kampf nicht fern / Sieg und Tod.“ Während hier die Sprache der Vernichtung vom menschlichen Krieg auf das Tier übertragen wird, versuchte die sozialdarwinistische Ideologie des Nationalsozialismus aus dem Tierreich eine Rechtfertigung für ihren Rassismus herauszulesen. Das Erbe ist ein Lehrfilm mit Spielfilmelementen, der im Auftrag des Reichsbauernführers hergestellt wurde. Der Wissenschaftler erklärt seiner blonden Assistentin: „Alles Leben ist von der Natur mit einer starken Waffe ausgerüstet, mit dieser Waffe muss es für die Erhaltung seiner Art kämpfen.“ Die naive Spielhandlung sorgt dafür, dass es nicht bei Andeutungen bleibt: „Dann treiben die Tiere ja eine regelrechte Rassenpolitik!“ Diese, so erklärt der Film zum Ende, sei auch das Ziel des nationalsozialistischen Deutschlands: „Nicht mehr zufällig, sondern bewusst wird sich das Gesunde zum Gesunden finden, zur besten Gattenwahl.“ Im Gegensatz zum Kulturfilm, der schnell zu einem eigenen Genre mit erstaunlichen ästhetischen Qualitäten wurde, tat sich das nationalsozialistische Fernsehen mit der Gestaltung von Bild und Ton noch relativ schwer. Der Livekommentar der Internationalen Jagdausstellung in Berlin 1937 stammelt zur Galavorstellung des Reichsjägermeisters Göring seltsame Thesen vor sich hin. „So wie die Jäger bereit stehen, so stehen auch die Tiere bereit, denn die Tiere wissen, dass die Jäger ihre besten Freunde sind.“ In Kleinkrieg dagegen wird den Insekten unverblümt der Krieg erklärt: „Volksgut in Gefahr. Schädlinge sehen Dich an. Schädlinge bedrohen das Werk Deiner Hände … Sauberkeit und Erhaltung der wertvollen Güter bilden die Grundlage für die Gesundheit und den Wohlstand eines Volkes. Gegen die Milliardenheere der kleinen gefährlichen Feinde einen unerbittlichen Kampf zu führen, ist unbedingte Pflicht.“ Das Mittel der Wahl für diesen Kampf ist Zyklon B, dessen Einsatz hier en détail gezeigt wird. Dass die beständigen Vergleiche von Menschen und Tieren im Nationalsozialismus nicht auf der Ebene des Bildes stehen blieben, zeigt der fürchterlichste Film des Dritten Reiches, Der ewige Jude. Die Dramaturgie des Filmes hat zwei Höhepunkte. In einem direkten filmischen Vergleich werden Juden zu Schädlingen wie die Ratten erklärt. „Sie sind hinterlistig, feige und grausam und treten meist in großen Scharen auf. Sie stellen unter den Tieren das Element der heimtückischen, unterirdischen Zerstörung dar, nicht anders als die Juden unter den Menschen.“ Für den Film gestellte Szenen des Schächtens (der traditionellen jüdischen Schlachtung) wiederum sollten den Hass der Zuschauer auf den Juden bis zu dem Punkt treiben, an dem er ihre Vernichtung als gerecht akzeptiert. Tatsächlich scheint kein Völkermord in der Geschichte der Menschheit ohne den Tiervergleich auszukommen, mit dem der menschliche Gegner zum tierischen Feind wird.

Filmprogramm

  • Der Hirschkäfer, Ulrich K. T. Schulz, DE 1921, 19 min [Piano]
  • Das Erbe, Carl C. Hartmann, DE 1935, 11 min
  • Internationale Jagdausstellung in Berlin 1937, DE 1937, 12 min
  • Kleinkrieg, Kurt Blank-Kubla, DE 1938, 15 min
  • Der ewige Jude, Fritz Hippler, DE 1940, 2 Ausschnitte: Ratten: 4, Schächten: 9

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