corporate [work] - Do you know where your brains are?

Root Event

4. Werkleitz Biennale real[work]

Parent Event

Filmprogramm
corporate [work] - Do you know where your brains are?
8. 7. 2000
D 2000

KünstlerInnen und AktivistInnen haben über die letzten Jahrzehnte Praktiken zur subversiven Aneignung der Terminologien und Arbeitsweisen von Politik, Wirtschaft und Medien entwickelt. Paper Tiger Television in New York ist eines der bedeutenden Beispiele dafür, wie sich mit einfallsreichen Mitteln kritische Inhalte in die Arena der landesweiten Tele-Gemeinden übertragen lassen. Der eigene Camcorder und die Public Access TV Channels bergen das A und Z der Rezeptur: „Taking Control of our Images - and Lives.“

Zielte Paper Tiger Television vor allem auf das Repräsentationsmonopol der Medien, so ist es am Beispiel der Künstlergruppe ®™ark die ungebundene Macht von Unternehmen, gegen die sich Aktionen und Diskurse richten.

®™ark ruft ArbeiterInnen, Angestellte und Selbstständige zur Beteiligung am zeitgenössischen Maschinensturm auf, bietet dabei jedoch selbst ein korporatives Format, in das es sich zu investieren lohnt. „®™ark has helped fund the sabotage or subversion of dozens of corporate products. As a privately held corporation, ®™ark allows investors to participate in blacklisted or illegal cultural production with minimum risk.“

Die Radikalität dieser künstlerischen Praxis gewinnt durch die Potenziale des Internets eine neue Dimension, was der sogenannte „Toywar“ (www. toywar.com) kürzlich bewies: In einer beispiellosen netzaktivistischen Kampagne gelang es der Netzkunstplattform etoy, ihren Domainenamen gegen die imperialen Ansprüche des E-Commerce Giganten eToys zu verteidigen. (Auffallend ist hierbei, dass das Spiel mit militärischen Jargons im „Toywar“ letztlich einen Geschmack auf das heimliche Motto der Streitkultur unserer Tage gibt: Pazifismus der Linken, auf zum alten Eisen).

„As ordinary corporations are solely and entirely machines to increase their shareholders‘ wealth (often to the detriment of culture and life) so ®™ark is a machine to improve its shareholders‘ culture and life (sometimes to the detriment of corporate wealth).“ So sehr das Maschinenhafte betriebswirtschaflicher Strukturen offensichtlich ist, braucht es weiterhin Personen, die ihre „Subjektivität“ einsetzen, um die Verwertung um der Verwertung Willen am Laufen zu halten. Nachzusehen bei Harun Farocki: „Ziele: Die Schulung“ dokumentiert die Lernprozesse männlicher Führungskräfte, die dazu dienen, sich im Alltag der Geschäftsverhandlungen, im Umgang mit Angestellten und Kunden zweifelsfrei behaupten zu können. Die Maximierung des Erfolgs ist nur durch maximale Identifikation zu gewährleisten. „Die Seele der Beschäftigen muss Teil des Unternehmens werden, hiesse das in der Sprache der heutigen Managementberater.“ (Lazzarato)

Schöne Aussichten also für den autonomen Geist im Aufwind immaterieller Arbeit. Oder wären Sie etwa interessiert an Alternativen? Dann schalten Sie getrost um auf ®™ark’s Werbetrailer „Bringing IT to YOU!“ Im Anschluss unterrichten Sie zwei VertreterInnen von ®™ark gerne über weitere Projekte und Angebote. Und nur zu, falls Sie Fragen haben!

Lazzarato, Maurizio: Immaterielle Arbeit, in: Umherschweifende Produzenten. Berlin 1998, S.

Text von

Florian Wüst

Explore

Überveranstaltung

Unterveranstaltungen