Brand New View

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werkleitz Biennale 2006 Happy Believers
Brand New View
DE 2006

Betritt man die diesjährige Werkleitz Biennale, so geht man durch das Mandala-Tor. Dabei handelt es sich um eine ortsspezifische Arbeit der schwedischen Künstlerin Gunilla Klingberg, deren ursprünglicher Titel Brand New View4 lautet. Dieses Konsum-Mandala formt aus den Logos etwa von Lidl, Spar, Pick Pay und Tesco ein tantrisches Muster sowie ein Mosaik und ist auf die große Fensterfläche der Eingangstür zum Volkspark aufgeklebt. In der Regel arbeitet Klingberg am liebsten mit billigen und provisorischen Materialien wie Supermarkttüten und den entsprechenden Logos, die sie grafisch zu seriellen organischen Mustern verarbeitet und beispielsweise als Tapete oder – wie in Brand New View – auf einer transparenten Oberfläche anbringt.
Das Mandala-Tor verflechtet in seiner Form die symbolischen und phänomenologischen Ebenen der Wahrnehmung miteinander indem es die Logos zu einem hypnotischen Muster auflöst. In der Wahrnehmung funktionieren traditionelle Mandalas auf ebensolche Weise. Die buddhistischen Mandalas, die zu den bekanntesten Formen von Kosmogrammen gehören, stehen für „eine heilige Wohnstätte, für das Haus einer jeweiligen Meditations-Gottheit, welche Eigenschaften der Erleuchtung trägt und verkörpert, die von Mitgefühl bis hin zu höherem Bewusstsein und Glückseligkeit reichen“. Für gewöhnlich sind es dreidimensionale, aus Sand geformte Bildzeichen, die im Zuge eines tantrischen Rituals angelegt und hinterher wieder zerstört werden5.
Während das Zentrum des Mandalas den erleuchteten Geist Buddhas darstellt, nachdem sein Körper ,dahingegangen‘ ist, wird die mit Markenzeichen versehene Oberfläche zum archetypischen Bild der ,längst vergangenen‘ spirituellen Erleuchtung der Konsumgesellschaft. Fällt jedoch Licht auf Brand New View, lösen sich zu Füßen des Besuchers die Logos auf dem Boden zu Mosaik-Schatten auf.

(Solvej Helweg Ovesen: Der Thron bleibt leer)

Gunilla Klingberg, DE 2006, Installation, Zuschnitt aus Klebefolie
Courtesy the artist

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