Außerirdisches & Coverversionen

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3. Werkleitz Biennale 1998 sub fiction
Außerirdisches & Coverversionen
1998

Durch den Hinterausgang der Sporthalle erreicht man das Foyer der Kegelbahn und damit die Installation „Außerirdisches und Coverversionen“ von Michaela Schweiger. In starkem Gegensatz zum unsichtbaren High Tech in der „Denksporthalle“ ist hier eine detailreiche Laborsituation aufgebaut, die eher aus der Werkstatt eines Hobbybastlers zu kommen scheint. Auf halber Strecke des in diffuses (fast klaustrophobisches) Licht getauchten, schlauchartigen Raumes ist die Kegelbahn mit einer etwa neun Meter langen Holzkonstruktion überbaut – wie eine Art Insel, die man betreten kann, um dort diverse Aufbauten, Objekte und Gerätschaften zu inspizieren bzw. zu benutzen. Was es damit auf sich hat, erschließt sich durch das auf fünf Monitoren präsentierte Ensemble von Videoportraits, das in Form eines dialogischen Theaterstücks eine Geschichte erzählt: Im Vorfeld dieses Projekts hatte die Künstlerin Interviews mit Kindern und Jugendlichen (u. a. auch des Werkleitzer Jugendclubs) zu ihren Vorstellungen über „Zukunft“ geführt. Die Antworten wurden dann zu einem Script montiert und von Schauspielern nachgesprochen und nachgespielt.

Die Visionen der Kids kreisten immer wieder stark um bestimmte Maschinen, die dem Menschen künftig sicher zur Verfügung stünden, und diese hat Michaela Schweiger hier in Objekte umgesetzt: eine Zeitmaschine, eine Wunschmaschine, eine Schwerkraft-Aufhebemaschine etc. Ein Ausstellungsbesucher wird nun diese sinnlich-visuellen Materialisierungen mit den – durch Erwachsenenmund im Generationensprung gefilterten und transformierten – sprachlichen Entwürfen der Kids vergleichen. Anders als bei den „Vier Übeln“ von Carmen Mörsch ergibt sich somit im Ausprobieren und Anschauen von Schweigers Installation ein komplexes Geflecht von Projektion, Kopie, Recycling und Komprimierung von Zukunftsvorstellungen. Die künstlerischen Setzungen verstecken sich hinter multiplen Transformationen: Projektion und Darstellung, Idee und Produkt werden dabei genauso ununterscheidbar wie Werk und Kontext oder auch Kunst und Funktion … oder Fiktion.

Michaela Schweiger (D), Außerirdisches & Coverversionen, Jugendclub Werkleitz, Kegelbahn, Multimedia-Installation zur Biennale, diverse Objekte, 5 Monitore, 5 x VHS, Loops ca. 25 min, Ton

Idee, Buch, Regie, Bauten, Produktion: Michaela Schweiger; Kamera und Schnitt: Roswitha von den Driesch

 

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