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5. Werkleitz Biennale 2002 Zugewinngemeinschaft
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DE 2002
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Eine Antenne, daran zwei Monitore. Auf den Monitoren läuft ein TV Programm. Dann wird der „Empfang“ schwach, Rauschen, Schnee, langsam kommt ein neues Programm, das Bild fängt sich, wird stabil, bleibt eine Weile so, um dann wieder zu verschwinden. Dieser Vorgang wiederholt sich, wie beim automatischen Durchsuchen Frequenzskala, hin und zurück, Sendungen kommen wieder, sind aber schon weiter fortgeschritten.

Die TV Fragmente ergeben ein Muster, stellen Verbindungspunkte zwischen den verschiedenen Sendungen her, überspringen den zeitlichen und räumlichen Abstand, übersetzen Heterogenität. Die Programmsuche bezieht sich auf einen TV Speicher, ein Programm, das in einer Station neben der „Antenne“ zu sehen ist.

Das Programm besteht aus Folgenden Sendungen:

Portrait / Interview einer website (lokale Kontakte, die sans papiers, mit rumänischen MigrantInnen in Paris sprechen können, weil man rumänisch spricht, das Kunstprojekt namediffusion.net)
Einladung der Revolutionsregierung von Mozambique an die FilmemacherInnen Jean-Luc Godard und Anne-Marie Miéville, die Bedingungen der Einführung von Fernsehen zu untersuchen. Beide kommen 1978, nachdem sie sich gerade das eigene und unabhängige Videostudio in der Schweiz (son-images) eingerichtet haben, in Mozambique an, bleiben dort – soweit man weiß – ein Jahr und gehen vorzeitig wieder, als Ergebnis sind bis heute lediglich 30 Seiten der Cahiers du Cinema Ausgabe 300 bekannt, ein Foto Essay mit dem Titel „nord contre sud ou naissance (de l’image) d’une nation“.

Die Zusammenarbeit zwischen DDR -Regierung und der sozialistischen Revolutionsregierung von Mozambique betrachtet unter dem Titel des einschlägigen Buches: „Es geht um unsere Existenz“ (die der DDR), zur gleichen Zeit, ab Mitte der 70er Jahre. Die DDR Regierung unterstütze schon vor dem Sieg die Revolutionsbewegung. Nach der Unabhängigkeit 1975 hoffte die DDR via Mozambique ihre Devisenschwäche auszugleichen. Aber die Vorzeige Projekte scheiterten aus vielen Gründen.

Ich wählte ein Medium, das die DDR nicht kannte (Internet) Fernsehen vs. Film aufgelöst als internet-Option. Die Überführung von Kino in Fernsehen verändert das Selbstverständnis, die Ästhetik und die Produktionsbedingungen des Filmemachens. Eigentlich ist es niemandem gelungen, die (scheinbare) Autonomie des Filmemachens auf Fernsehen zu übertragen. Wie „sendet“ es sich im Netz? Welche ökonomische Logik ist in der Sendung enthalten? Welcher ideologische Sprühregen geht damit einher und verbindet die „Bedingungen der Möglichkeit“ neoliberaler Wirtschafts- und Gesellschaftsdoktrin mit dem Umstand, dass der Systemvergleich zwischen real existierendem Kapitalismus und real existierendem Sozialismus nicht mehr existiert.

Autor des Textes

Stephan Geene

Theoretisches Fernsehen, Installation aus einem Teppich, zwei TV-Geräten, einer ‚Antenne‘, einem Computer, 2002. Austellungsort: Maschinen- und Traktorenstützpunkt Werkleitz.

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