Arbeit und Psyche

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Arbeit und Psyche

Im Verlauf der technologischen Entwicklung, der Automatisierung des Internets wird sich eine neue Rationalität und neue Formen der Individualität in der Gesellschaft durchsetzen. Dieser Prozess hat schon längst begonnen und ist nicht mehr aufhaltbar. Welche Konsequenzen diese Entwicklung für die psychischen Bedingungen des Menschen hat, soll in diesem Vortrag nachgezeichnet werden. Das Aufteilen in verwertbare und unverwertbare Persönlichkeitsanteile beschleunigt einen Verfall der persönlichen Identität, gleichzeitig wird es notwendig sein, eine Persönlichkeit auszubilden, die Autonomie des Handelns durch Spontanität, Bewusstheit und Intimität im gesellschaftlichen Zusammenhang eröffnet. Dies wird in krisenhaften Entwicklungssprüngen stattfinden. Wir wissen aber auch von der Nützlichkeit von Identitätskrisen. Diese Krisen scheinen notwendige Voraussetzung für Veränderungsprozesse. Gefahrvoll wird es dann, wird die Krise Dauerzustand und prägt so die Deutungs- und Interpretationsmuster, gefahrvoll wird es ebenso, wenn nur noch verwertbare Teilpersönlichkeiten fragmentiert unverbunden nebeneinander bestehen. Erfolgt eine Fragmentierung in verwertbare und unbrauchbare Teilpersönlichkeiten, werden, und dies wissen wir aus der Psychosomatik, Persönlichkeitsanteile abgespalten.

Dieser Spaltungsprozess, als das Zerlegen von Persönlichkeitsanteilen sowie als das Zuordnen von spezifischen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu betrieblichen Realitäten, ist der Basisvorgang für funktionelle instrumentelle Verhaltensmuster. Diese instrumentellen Muster, wie sie sich im angepassten Verhalten als Persönlichkeit präsentieren, bleiben lückenhaft und ungeschichtlich, ethisch fragwürdig, da sie in ihrem ausschließlichen Anpassungsvorgang keine Entwicklung zur Persönlichkeit ermöglichen.

Ziel des Vortrags ist, einige Möglichkeiten für unsere psychische Entwicklung aufzuzeigen, wie wir dennoch eine Persönlichkeit erlangen, die ihre eigene Existenz durch das Ausgleichen von oft unvereinbar gehaltenen Kräften lenken kann, einen Menschen im Gleichgewicht.

Matthias Sell (D), Arbeit und Psyche, 2000

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