Amended 2

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3. Werkleitz Biennale 1998 sub fiction

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D 1998

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Die zweite Performance des Abends im Festsaal „Zur Post“ schied die Geister. Die Haupt-Elemente, die Kees Mol zur Performance nutzte, waren in einer Reihe vor dem Publikum aufgebaut, von links nach rechts. An einem dicken Strick, gebunden an einen Pfosten, war in ca. zwei Meter Abstand ein Stuhl befestigt, der auf einer Kiste stand. Links und rechts davon standen zwei Trommeln, auf dem Stuhl lag ein Ruder und ein selbst hergestelltes Steckenpferd. Vor ihm war ein Hufeisen mit zwei Magneten, ein Trog mit Erde und Blumen, daran angelehnt Bücher, eine Klangschale und weitere kleinere Objekte. Davor eine Zinkbadewanne mit Wasser, in der ein Modellschiff auf Steinen stand. Eine Rolle mit Papier lag dahinter. Ihm gegenüber an der Wand, an einem Stehpult stand Harry. Die Performance konnte beginnen, die Installationen erweckten interessante Erwartungen. Die Performance begann damit, daß Kees Mol sich an den Stuhl binden ließ, Musik ab, das Seil war an der Brüstung befestigt, der Stuhl sollte in der Kipplage stehen. Er schlug mit dem Ruder so stark auf die Trommeln, links, rechts, links, daß das Ruder mehr und mehr zerbrach, mit Kerzen wurde das Seil durchgebrannt, so daß er nach vorne kippte, fiel.

Das nicht Einlösen der Erwartung, das Zusammenhangslose, ein Bruch nach dem anderen. War es nun Unfähigkeit, war es eine Technik des Verstörens, der latenten Aggression, die Infamie des Plots, der Betrug am gelebten Plot, das Unvordenkliche der geistigen Verlassenheit?

Weiße Tauben, die nicht fliegen, Käfer, Schaben und Heimchen krabbeln aus Plastikschälchen, der Ekel bei Harry. Das Haupt des Steckenpferdes brennt, die Papierrolle wird der Länge nach gerissen, sich das Hemd ausziehen, Mißverständnisse mit dem Techniker, ein T-Shirt mit Text anziehen. Er geht aus dem Spielfeld, kommt wieder, wirft ein Buch in das Wasser, geht wieder hinaus, kommt nach einer kurzen Zeit wieder. Ist es zu Ende, was ist nun das alles, der ganze Vorgang, das Bild des Desolaten, die entlegenste Fassung eines Seins. Holt das Buch wieder aus dem Wasser, gibt es Harry, der liest, was gerade vor ihn hingelegt wurde, geht wieder hinaus, kommt mit dem Koffer wieder, öffnet ihn, wirft ein paar Sachen hinein, Aufräumen in Miniatur, den Koffer wieder verschließen, hinausgehen.

Und daß das Publikum immer mit Verstörung reagiert, wenn Menschen die Riten der Kunst denunzieren, um in eine „Freiheit“ einzutreten, die Rück-Sichtslos ist.

Das Bild des Aushalten-müssens, das wär es noch gewesen. Auch das ist zu denunzieren.

Das sind die Delphine des alchemistischen Theaters von Antonin Artaud.

Kees Mol (NL), Amended 2, Performance Gaststätte ‚Zur Post‘ in Tornitz, 1998

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