Afro deutsch

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5. Werkleitz Biennale 2002 Zugewinngemeinschaft
Afro deutsch
D 2001

„Die ganze Geschichte, die ich da erzähle, ist mehr oder weniger autobiografisch, aus drei verschiedenen Sichtweisen. Die erste Sichtweise ist meine, als kleiner Junge, so zwischen 6 und 9 Jahren, wie ich den Rassismus in Österreich wahrgenommen habe. In dem Film verändert sich nach der ersten Sichtweise das Backing. […] Der zweite Teil ist meine Sichtweise als junger Erwachsener, 18-22 Jahre alt, wo das Viva-Ding
gerade angefangen hatte und ich schließlich chekke, wo die Zusammenhänge sind, warum Leute bestimmte Sachen über mich sagen – Positiv-Rassisimus nenne ich das. Das heißt für mich, es werden dir bestimmte Klischees angeheftet, und wenn ich die erfülle, finden mich alle toll. Wie z. B. als ich noch klein war und die anderen Kinder sagten „Hey, du siehst ja aus wie Eddie Murphy, bist du auch so witzig wie der?“ […] Bei den Frauen sieht der Positiv-Rassismus wiederum anders aus als bei den Männern. Die haben mit anderen Sachen zu kämpfen, sie gelten als exotische Betthäschen, die ganz besonders toll abgehen. Man braucht sich doch auch bloß mal einen Großteil der heutigen HipHop-Videos aus den USA anzusehen. Du kannst nichts dagegen machen, außer selbst Teil der Situation zu werden und zu gucken, dass du die Fäden in die Hand bekommst. Dieses Einschränken auf bestimmte Eigenschaften, die die Schwarzen angeblich haben sollen, wie z. B.
„der Schwarze hat Rhythmus im Blut“, das ist für mich Positiv-Rassismus. Und das ist – um wieder auf den Film zurückzukommen – der zweite Teil des Films „Afro-deutsch“. Da zeigt sich auch das Paradoxe, dass du auf der einen Seite angehimmelt wirst - das ist das Bühnenbild,wo mich alle feiern – und auf der anderen Seite genau das Gegenteil erlebst. Eben auf der Bühne fanden dich noch alle toll, dann kommst du raus in den Backstage-Bereich, und jemand will dir auf die Fresse hauen, so nach dem Motto „was will denn der Nigga hier?“
Danach, im dritten Teil, schildere ich die Situation in Deutschland, wie ich sie heute sehe. Ich bin der Meinung, dass ich mittlerweile verstehe, warum es Rassismus gibt – ich verstehe auch, warum früher viele Sachen so passiert sind, sehe aber auch, dass es sich in Teilen verbessert hat. Unter anderem auch durch HipHop. Das hat auf jeden Fall auch eine positive Entwicklung nach sich gezogen. Es gibt inzwischen auch wieder Dinge, wegen derer ich auch stolz bin zu sagen: „Hey, ich komme aus Deutschland! Gerade eben, wenn es um HipHop geht.“ (Tyron Ricketts, Interview in rap.de)

Ayassi, Tyron Ricketts (DE), 2001, 10 min.

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