10. Weltfestspiele der Jugend und Studenten

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10. Weltfestspiele der Jugend und Studenten
DDR 1973

Zwei Millionen Gäste aus 104 Ländern haben in den zwei Augustwochen in Berlin hereingeschaut. Die Fahnenwälder, Bildtafeln, Hochrufe und Vorbeimärsche vor den Herren auf der Ehrentribüne ließen ahnen, was den Bürgern an Feierlichkeiten noch bevorstand. Und trotzdem: festliche, fröhliche Tage waren es, ein Erfolg für die DDR, deren Ausstrahlungskraft Deutschlands nüchternerer Westen damals wenig entgegenzusetzen hatte. Wie hatte sich das Bild 22 Jahre später gewandelt, Ende Juli, Anfang August I973: Wieder waren Weltfestspiele der Jugend, die X. inzwischen, wieder begannen sie im Oval an der Chausseestraße, umgetitelt in „Stadion der Weltjugend“(der ehemalige staatsratsvorsitzende Namenspatron starb just in jenen festlichen Tagen). Wo kamen die Teilnehmer her? Aus Polen, wo Kriegsrecht herrschte, aus der Tschechoslowakei, dem Land des welken Frühlings, aus dem entlaubten Vietnam wohl auch und Chile, nicht aber aus den Gulags Sibiriens. Draußen blieben auch jene, denen das Betreten Berlins während der Festtage verboten war. Und knapp hinter dem Stadion verlief die Mauer, antifaschistischer Schutzwall kaum, eher Lawinenschutz gegen das Wohlstandsgefälle.

Andreas Hoffmann, Verschwundene Orte, TRANSIT Verlag

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